26. SONNTAG IM JAHRESKREIS

Aus dem Brief des Apostels Paulus an die Philipper (2,1-11)

Evangelium nach Matthäus (21,28-32)

 

Wann sind wir eine lebendige, christliche Gemeinde? Wenn ganz viele Aktionen stattfinden? Wenn wir dreimal im Jahr ein großes Tanzfest organisieren mit vielen Teilnehmern? Wenn es viele kulturelle Veranstaltungen in der Gemeinde gibt? Sind wir dann als Pfarrgemeinde lebendig? Oder ist das nicht oberflächlich gedacht und sind wir bei alldem noch keine christliche Gemeinde?

Der Apostel Paulus greift da tiefer. Wie wir in der ersten Lesung gehört haben, freut er sich über seine Lieblingsgemeinde von Philippi, wenn sie sich als Christen gegenseitig helfen und ermutigen, wenn sie einander trösten, wenn man in ihrer Gemeinde den Geist von Jesus spürt, wenn sie miteinander in mitfühlender Liebe verbunden sind und fest zusammenhalten. Das ist aber nur möglich, wenn die Mitglieder der Gemeinde bescheiden bleiben und sich nicht, durch persönlichen Ehrgeiz getrieben, wichtig machen. Man soll im Gegenteil anspruchslos sein, nicht zuerst nur an sich selbst, an den eigenen Vorteil denken, sondern auf das gegenseitige Wohl bedacht sein. Und bei alldem soll Jesus als Maßstab gelten. Wo Christen so miteinander umgehen und leben, dort ist eine echt lebendige christliche Gemeinde.

Paulus hält uns hier einen Spiegel vor und genauso macht es Jesus im heutigen Evangelium. Die meisten unter uns sind sozusagen in die Kirche hineingeboren und betrachten sich als Christen, betrachten sich selbst als ‘anständige’ Menschen. Aber wenn es darauf ankommt: Was tun wir wirklich für die christliche Gemeinschaft? Wir wollen ja im „Weinberg“ Gottes arbeiten, aber tun wir es wirklich? Sind wir nicht oft wie der erste Sohn, der zwar „ja“ zu seinem Vater (zu Gott) sagt, aber nicht zum Weinberg geht um sich dort einzusetzen?

Und dann wird Jesus wirklich provokant. Er nimmt Menschen als Beispiel, die damals nicht so direkt als „anständige“ Menschen betrachtet wurden (‘betrügerische Zolleinnehmer und Dirnen’), sich aber geändert haben und später in den Weinberg gegangen sind um dort mitzuarbeiten. Sie werden gelobt. „Sie kommen eher in Gottes neue Welt als ihr“, sagt Jesus.

Was will Jesus uns deutlich machen? Es reicht nicht im Vater Unser zu beten: "Dein Wille geschehe!" Es kommt darauf an, den Willen Gottes zu tun, sich für das Reich Gottes, für diese neue Welt Gottes einzusetzen. Es geht darum, im Weinberg zu arbeiten. Im Matthäusevangelium sagt Jesus auch: „Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr! wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters erfüllt.“ (Mt 7,21)

Jesus wirft also der religiösen Obrigkeit seiner Zeit vor, dass sie zwar zu den Glaubenswahrheiten und Vorschriften „Ja“ sagen, ihre täglichen Pflichtgebete sprechen, aber im konkreten Leben nicht praktizieren, was sie glauben. Sie schauen oft herablassend auf ihre Mitmenschen, wollen nur geehrt werden usw. Die Liebe zu ihren Mitmenschen, die Jesus genauso wichtig findet, wie die Liebe zu Gott, war oft nicht so groß. Glauben ist eine Lebenspraxis, eine Aktivität: Tun was Gott von uns erwartet.

Ich glaube an Gott und an Jesus. Ich bin Christ. Ich sage „Ja“ zu Gott. Ich gehe vielleicht jeden Sonntag in die Kirche, sage sogar täglich ein Gebet, aber praktiziere ich das, was ich da feiere und bete? Ist mein „Ja“ nicht oft ein „Ja, ja-aber“ - ohne Taten? Jesus erwartet von uns Wahrhaftigkeit: Tun, was wir glauben. Denken und handeln, Wort und Tat sollen bei uns übereinstimmen.

In welchem von den beiden Söhnen erkennen wir uns selbst? Jesus fordert uns heraus ganz ehrlich in uns selbst zu gehen. Dann kann jeder und jede von uns die Gemeinde christlich lebendig machen.

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